Viele sprechen im Gottesdienst ein Glaubensbekenntnis mit, ohne jede Formulierung sofort einordnen zu können. Christliche Glaubensbekenntnisse bündeln zentrale Aussagen über Gott, Jesus Christus, den Heiligen Geist und die Kirche. Ich zeige, welche Texte besonders wichtig sind, worin sie sich unterscheiden und wie sie sich für Gebet und persönliche Spiritualität nutzen lassen.
Die wichtigsten Orientierungspunkte auf einen Blick
- Apostolisches Glaubensbekenntnis wird in evangelischen Gottesdiensten am häufigsten gesprochen.
- Das Nizänische Glaubensbekenntnis formuliert besonders ausführlich, wer Jesus Christus ist.
- Ein Bekenntnis ist mehr als eine Lehrformel. Es verbindet persönlichen Glauben und gemeinsames Gebet.
- Konfessionelle Texte wie das Augsburger Bekenntnis erklären besondere evangelische Überzeugungen.
- Für die persönliche Andacht genügt oft ein einziger Satz, der langsam gelesen und bedacht wird.

Was ein Glaubensbekenntnis eigentlich ausdrückt
Ein Glaubensbekenntnis ist eine verdichtete Zusammenfassung christlicher Grundüberzeugungen. Es beantwortet nicht jede theologische Einzelfrage, sondern gibt eine gemeinsame Richtung vor. Im Mittelpunkt stehen der Glaube an den dreieinigen Gott, das Leben und Wirken Jesu Christi, die Kraft des Heiligen Geistes sowie die Hoffnung auf Vergebung, Auferstehung und ewiges Leben.
Das lateinische Wort Credo bedeutet „Ich glaube“. Darin liegt bereits eine wichtige Spannung. Wer das Bekenntnis allein spricht, sagt persönlich „Ich glaube“. Im Gottesdienst wird daraus zugleich ein „Wir glauben“, weil die Gemeinde ihren Glauben gemeinsam ausspricht. Persönlichkeit und Gemeinschaft gehören hier zusammen.
Historisch entstanden die frühen Bekenntnisse eng verbunden mit der Taufe. Menschen wurden gefragt, ob sie an Gott, an Jesus Christus und an den Heiligen Geist glauben. Die später festgelegten Texte halfen dabei, diesen Glauben verständlich und über Generationen hinweg weiterzugeben.
Das Apostolische Glaubensbekenntnis verständlich erklärt
Das Apostolische Glaubensbekenntnis, kurz Apostolikum, ist der vertrauteste christliche Bekenntnistext im deutschen Protestantismus. Trotz seines Namens stammt es nicht wörtlich von den zwölf Aposteln. Es entwickelte sich aus frühen Taufbekenntnissen und erhielt seine heute bekannte Form über mehrere Jahrhunderte.
Der Text ist in drei Teile gegliedert und folgt damit der Dreieinigkeit Gottes. Ich lese ihn gern nicht als Prüfung, bei der jedes Wort sofort vollständig verstanden werden muss, sondern als geistlichen Weg durch die großen Stationen des Glaubens.
- „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.“ Dieser erste Abschnitt spricht von Gott als Ursprung des Lebens und als Gegenüber des Menschen.
- „Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.“ Es folgen seine Geburt, sein Leiden, sein Tod, seine Auferstehung und seine Erhöhung. Der christliche Glaube bleibt damit nicht bei allgemeinen Vorstellungen von Gott, sondern richtet sich auf eine konkrete Person.
- „Ich glaube an den Heiligen Geist.“ Der dritte Teil nennt die heilige christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, die Vergebung der Sünden, die Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Gerade die Kürze macht das Apostolikum alltagstauglich. Es eignet sich für Taufgottesdienste, Konfirmationen, Trauungen und gewöhnliche Sonntagsgottesdienste. Im evangelischen Gottesdienst wird es häufig im Stehen gesprochen, doch die Körperhaltung ist kein Test für den persönlichen Glauben. Niemand muss jedes Wort mechanisch mitsprechen.
Worin sich Apostolikum und Nizänisches Bekenntnis unterscheiden
Das Nizänische Glaubensbekenntnis wird genauer als Nicäno-Konstantinopolitanum bezeichnet. Seine entscheidenden Formulierungen gehen auf das Konzil von Nicäa im Jahr 325 und die Weiterentwicklung in Konstantinopel im Jahr 381 zurück. Es entstand in einer Zeit, in der heftig darüber gestritten wurde, wie die Beziehung zwischen Gott Vater und Jesus Christus zu verstehen sei.
Im Vergleich zum Apostolikum ist das Nizänische Bekenntnis ausführlicher. Besonders deutlich bekennt es Jesus Christus als wahren Gott und wahren Menschen. Außerdem beschreibt es den Heiligen Geist ausführlicher und spricht ausdrücklich von der einen, heiligen, allgemeinen und apostolischen Kirche.
| Bekenntnis | Typischer Einsatz | Besonderheit |
|---|---|---|
| Apostolisches Glaubensbekenntnis | Viele evangelische Gottesdienste, Taufen und Konfirmationen | Kurz, vertraut und eng mit der Tauftradition verbunden |
| Nizänisches Glaubensbekenntnis | Festgottesdienste, Abendmahlsgottesdienste und ökumenische Feiern | Ausführliche Aussage über die Gottheit Christi und den Heiligen Geist |
| Confessio Augustana | Historische und lehrmäßige Texte lutherischer Kirchen | Grundlegende Darstellung evangelischer Lehre aus der Reformationszeit |
Für die meisten Menschen ist die praktische Entscheidung einfach. Im normalen evangelischen Sonntagsgottesdienst begegnet ihnen eher das Apostolikum. Das Nizänische Bekenntnis passt besonders dort, wo die weltweite und konfessionsübergreifende Dimension des christlichen Glaubens sichtbar werden soll. Beide Texte widersprechen einander nicht, sondern setzen unterschiedliche Schwerpunkte.
Welche konfessionellen Bekenntnisse evangelische Kirchen prägen
Neben den altkirchlichen Texten gibt es Bekenntnisse, die bestimmte kirchliche Traditionen näher beschreiben. Für lutherische Kirchen ist die Confessio Augustana, das Augsburger Bekenntnis von 1530, besonders wichtig. Sie erklärt unter anderem, wie die Reformation das Verhältnis von Bibel, Gnade, Glauben, Kirche und Sakramenten verstand.
Auch Luthers Kleiner Katechismus gehört zu den prägenden Schriften. Er behandelt die Zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser, Taufe, Abendmahl und Beichte. Für den persönlichen Glauben ist dieser Text oft hilfreicher als eine rein historische Lektüre, weil er große Themen in Fragen und kurzen Antworten entfaltet.
Reformierte Kirchen greifen unter anderem auf den Heidelberger Katechismus zurück. Dort beginnt die Glaubensauslegung nicht mit einer abstrakten Definition, sondern mit der Frage nach dem Trost im Leben und im Sterben. Diese Perspektive ist bis heute seelsorglich stark, weil sie den Glauben mit Angst, Schuld, Hoffnung und Alltag verbindet.
Solche konfessionellen Texte sind keine Konkurrenz zu den gemeinsamen alten Bekenntnissen. Sie erklären, wie eine bestimmte kirchliche Tradition den gemeinsamen christlichen Glauben auslegt. Wer sich orientieren möchte, sollte deshalb zuerst das Apostolikum oder das Nizänische Bekenntnis kennenlernen und erst danach die konfessionellen Besonderheiten vergleichen.
Wie Glaubensbekenntnisse im Gottesdienst und im Gebet wirken
Im Gottesdienst hat das Bekenntnis eine klare liturgische Funktion. Liturgie bedeutet die geordnete Gestalt eines Gottesdienstes. Das Credo verbindet dabei Lesung, Predigt und Abendmahl, indem die Gemeinde auf das Gehörte antwortet und ihren gemeinsamen Glauben ausspricht.
Ich halte es für einen Fehler, das Bekenntnis nur als Auswendiglerntext zu behandeln. Seine eigentliche Kraft zeigt sich oft in Situationen, in denen die eigenen Worte fehlen. Ein Mensch kann zweifeln, erschöpft sein oder keine passende Gebetsform finden und sich trotzdem an einem überlieferten Satz festhalten. Das Bekenntnis trägt dann stellvertretend die Hoffnung.
Für eine persönliche Andacht kann man einen Abschnitt in drei einfachen Schritten nutzen:
- Den Satz langsam lesen und auf ein Wort achten, das innerlich hängen bleibt.
- Dieses Wort mit der eigenen Lebenssituation verbinden, etwa mit Schuld, Dankbarkeit oder Angst.
- Mit einem kurzen persönlichen Gebet antworten, auch wenn es nur ein einziger Satz ist.
Ein Beispiel wäre der Satz „Ich glaube an die Vergebung der Sünden“. Wer sich selbst etwas vorzuwerfen hat, kann ihn als Zuspruch lesen. Wer einem anderen Menschen vergeben möchte, kann ihn als Einladung zu einem neuen Schritt verstehen. Das ist keine schnelle Methode, um Schuldgefühle wegzudrücken. Vergebung kann auch ein längerer Prozess sein und manchmal ein klärendes Gespräch oder seelsorgliche Begleitung brauchen.
Was beim Umgang mit den alten Texten häufig missverstanden wird
Das erste Missverständnis lautet, ein Bekenntnis müsse vollständig verstanden werden, bevor man es sprechen dürfe. Tatsächlich wachsen viele Menschen über Jahre in seine Aussagen hinein. Ein Kind, ein Konfirmand und ein Theologe sprechen denselben Text, hören darin aber nicht automatisch dasselbe.
Ebenso problematisch ist die Vorstellung, jedes Wort müsse ohne jede innere Frage bejaht werden. Christlicher Glaube kennt Zweifel, Klage und Widerspruch. Wer bei einer Formulierung stockt, darf sie zunächst als überlieferte Stimme der Gemeinschaft hören, statt sich selbst unter Druck zu setzen.
Ein dritter Fehler ist die Gleichsetzung von Glaubensbekenntnis und vollständigem Lehrbuch. Ein Credo ist konzentriert. Es sagt viel, lässt aber bewusst zahlreiche Themen offen, etwa konkrete ethische Entscheidungen, unterschiedliche Bibelauslegungen oder die Gestaltung des Gemeindelebens.
Auch historische Begriffe brauchen manchmal Erklärung. Das Wort „katholisch“ im Nizänischen Bekenntnis bedeutet ursprünglich „allgemein“ oder „die ganze Kirche betreffend“. Es bezeichnet an dieser Stelle nicht ausschließlich die römisch-katholische Konfession. Übersetzungen können Nuancen sichtbar machen oder verdecken, weshalb eine gute Einführung gelegentlich hilfreicher ist als das bloße Wiederholen des Textes.
Ein persönlicher Zugang, der im Alltag trägt
Wer mit einem Bekenntnis beten möchte, muss nicht sofort den ganzen Text auswendig können. Ich würde mit einem einzigen Satz beginnen und ihn eine Woche lang morgens oder abends lesen. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern ob der Satz einen Bezug zum eigenen Leben gewinnt.
- Bei Unruhe kann der Satz über Gottes Schöpfung den Blick weiten.
- In Trauer kann die Hoffnung auf Auferstehung vorsichtig Raum geben, ohne den Schmerz kleinzureden.
- Bei Schuld kann die Aussage über Vergebung ein erster Schritt zu ehrlicher Umkehr sein.
- In Einsamkeit kann die Gemeinschaft der Heiligen daran erinnern, dass Glaube nie nur Privatsache ist.
Für mich liegt die bleibende Stärke dieser Texte darin, dass sie persönliche Frömmigkeit und kirchliche Tradition miteinander verbinden. Man muss nicht jede Formulierung sofort lösen. Man darf sie mitnehmen, prüfen, manchmal auch an ihr ringen und dabei entdecken, dass ein alter Satz im eigenen Leben plötzlich neu klingt.
Welches Bekenntnis zu welcher Situation passt
Für die erste Orientierung reicht eine einfache Entscheidungshilfe. Im Alltag und in vielen evangelischen Gottesdiensten ist das Apostolikum der naheliegende Einstieg. Bei ökumenischen Feiern oder besonderen Festtagen bietet das Nizänische Bekenntnis eine ausführlichere gemeinsame Grundlage.
Wer sich intensiver mit evangelischer Theologie beschäftigen möchte, kann danach zur Confessio Augustana, zum Kleinen Katechismus oder zum Heidelberger Katechismus greifen. Diese Texte verlangen mehr Zeit, beantworten dafür auch Fragen nach Kirche, Sakramenten und christlichem Leben.
Am Ende muss ein Glaubensbekenntnis nicht dazu dienen, alle Unsicherheit zu beseitigen. Es kann auch dann hilfreich sein, wenn der eigene Glaube gerade leise, fragmentarisch oder suchend ist. Ein ehrliches „Ich glaube“ darf neben einem ehrlichen „Ich hoffe“ und „Ich ringe damit“ stehen.