Exaudi steht für eine wartende und betende Kirche
- Termin 2026: Exaudi wird am 17. Mai 2026 gefeiert.
- Bedeutung: Der lateinische Name bedeutet „Höre!“ und geht auf Psalm 27 zurück.
- Position: Der Sonntag liegt nach Christi Himmelfahrt und vor Pfingsten.
- Zentrales Thema: Die Gemeinde wartet auf den Beistand des Heiligen Geistes.
- Typische Zeichen: Weiße liturgische Farbe, Gebete, Lieder und die Ausrichtung auf Pfingsten.
Was Exaudi bedeutet und wann der Sonntag stattfindet
Exaudi ist der traditionelle Name für den sechsten Sonntag nach Ostern im evangelischen Kirchenjahr. Das lateinische Wort lässt sich mit „Höre!“ oder „Erhöre!“ übersetzen. Es verweist auf den Ruf aus Psalm 27, in dem ein Mensch Gott um Aufmerksamkeit, Schutz und Beistand bittet.
Im Jahr 2026 fällt Exaudi auf Sonntag, den 17. Mai. Ostern wurde am 5. April gefeiert, Christi Himmelfahrt folgt am 14. Mai und Pfingsten am 24. Mai. Damit liegt dieser Sonntag genau in der Zwischenzeit, in der die österliche Freude noch lebendig ist, der auferstandene Christus aber nicht mehr sichtbar bei seinen Jüngern ist.| Festtag | Datum 2026 | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Ostersonntag | 5. April | Auferstehung Jesu Christi |
| Christi Himmelfahrt | 14. Mai | Erhöhung Christi und sein Abschied von den Jüngern |
| Exaudi | 17. Mai | Warten auf Gottes Gegenwart und den Heiligen Geist |
| Pfingsten | 24. Mai | Ausgießung des Heiligen Geistes |
Eine kleine, aber wichtige Besonderheit betrifft die Zählweise. In evangelischen Kalendern heißt der Tag meist sechster Sonntag nach Ostern oder Exaudi. In der katholischen Liturgie wird die Zeit häufig als „Sonntag der Osterzeit“ gezählt, wobei Ostern selbst in die Reihe einbezogen wird. Derselbe Sonntag kann dort deshalb eine andere Nummer tragen.
Warum dieser Sonntag zwischen Abschied und Aufbruch steht
Die biblische Dramaturgie macht Exaudi zu einem echten Übergangstag. Christi Himmelfahrt liegt hinter der Gemeinde, Pfingsten noch vor ihr. Für mich liegt darin die besondere Stärke dieses Sonntags, denn er beschönigt die Erfahrung des Wartens nicht. Glaube bedeutet hier nicht, bereits alle Antworten zu besitzen, sondern in einer offenen Situation treu zu bleiben.
Die Jünger müssen nach dem Abschied Jesu lernen, ohne seine sichtbare Gegenwart weiterzugehen. Zugleich erhalten sie die Zusage, dass sie nicht allein bleiben. Der Heilige Geist wird als Beistand, Tröster und „Geist der Wahrheit“ angekündigt. Exaudi hält deshalb zwei Erfahrungen zusammen, die im Alltag oft auseinanderfallen: Verunsicherung und Hoffnung.
Der Sonntag ist auch ein guter Anlass, über die Rolle der Kirche nachzudenken. Sie lebt nicht nur von Gebäuden, Programmen oder vertrauten Formen, sondern von einer Gegenwart, die sich nicht vollständig organisieren lässt. Das macht Exaudi weniger spektakulär als Ostern oder Pfingsten, aber geistlich ausgesprochen aktuell.
Welche Bibeltexte und Themen Exaudi prägen
Im Mittelpunkt steht häufig das Gebet um Gottes Nähe und um das Wirken des Heiligen Geistes. Der Name Exaudi nimmt dabei die Haltung der Gemeinde vorweg. Sie ruft, wartet und bittet, ohne den Ausgang selbst erzwingen zu können.
Der Ruf aus Psalm 27
Der Psalmvers „Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe“ gibt dem Sonntag seine Grundstimmung. Es geht nicht um ein formelhaftes Bitten, sondern um die Erfahrung, dass ein Mensch seine Unsicherheit vor Gott aussprechen darf. Ich halte genau das für einen der stärksten Gedanken dieses Tages: Gebet muss nicht perfekt klingen, um ehrlich zu sein.
Der Geist als Beistand
Die Texte aus den Abschiedsreden Jesu im Johannesevangelium lenken den Blick auf den Geist der Wahrheit. Gemeint ist keine diffuse Energie, sondern Gottes wirksame Gegenwart, die Menschen tröstet, orientiert und zum Zeugnis befähigt. Der Heilige Geist ersetzt dabei nicht das eigene Denken, sondern hilft, Verantwortung, Wahrheit und Hoffnung miteinander zu verbinden.Der neue Bund
Für den evangelischen Gottesdienst am 17. Mai 2026 ist in einer Predigtreihe Jeremia 31,31-34 vorgesehen. Dort wird vom neuen Bund gesprochen, der nicht nur äußerlich festgeschrieben ist, sondern im Herzen der Menschen Gestalt gewinnen soll. Je nach Landeskirche, Predigtreihe und Gemeinde können jedoch weitere Texte gelesen oder andere Schwerpunkte gesetzt werden.
Typische Themen sind daher die Fürbitte, die Einheit der Kirche, die Suche nach Orientierung und die Frage, wie christliche Hoffnung in einer unübersichtlichen Zeit sichtbar werden kann. Exaudi ist kein Sonntag für schnelle Antworten. Er lädt eher dazu ein, aufmerksam zu werden und das eigene Leben neu auf Gottes Zusage auszurichten.

Welche Symbole und Bräuche zu Exaudi gehören
Im evangelischen Kirchenraum wird Exaudi meist mit der liturgischen Farbe Weiß verbunden. Weiß steht für Christus, für die österliche Festzeit und für die Hoffnung, die über den Abschied hinausweist. Die konkrete Gestaltung kann regional unterschiedlich sein, denn nicht jede Gemeinde verwendet die gleichen Paramente oder den gleichen Ablauf.
Gebet und Fürbitte
Gebete haben an diesem Sonntag ein besonderes Gewicht. Gemeinden bitten um den Heiligen Geist, um Mut für die Nachfolge, um Frieden und um Kraft für Menschen in schwierigen Situationen. Besonders passend sind Fürbitten, die nicht nur private Anliegen aufnehmen, sondern auch die weltweite Kirche und die Gesellschaft in den Blick nehmen.
Lieder der Erwartung
Kirchenlieder über den Geist Gottes, die Nachfolge und das Vertrauen prägen viele Gottesdienste. Ein häufig gesungenes Lied ist „O komm, du Geist der Wahrheit“. Solche Lieder sind mehr als musikalische Ausschmückung. Sie geben der wartenden Gemeinde eine gemeinsame Sprache, wenn einzelne Worte fehlen.
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Die Pfingstnovene
Die Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten werden traditionell als Zeit des Gebets verstanden. Daraus entwickelte sich die sogenannte Pfingstnovene, eine neuntägige Gebetszeit. Sie kann persönlich, in Hauskreisen oder in ökumenischen Gruppen gestaltet werden. Verbindliche Vorgaben gibt es nicht, deshalb reicht das Spektrum von einem kurzen täglichen Gebet bis zu besonderen Andachten.
Ein eigenes Volksfest mit festen regionalen Bräuchen ist mit Exaudi in Deutschland nicht allgemein verbunden. Wer an diesem Tag Kerzen, Blumen oder ein bestimmtes Ritual verwendet, tut dies meist im Rahmen einer örtlichen Gottesdienstordnung. Entscheidend ist nicht die Dekoration, sondern die Aussage dahinter: Die Gemeinde lebt aus Gottes Gegenwart, auch wenn sie nicht sichtbar greifbar ist.
Wie sich Exaudi heute sinnvoll feiern lässt
Ein Gottesdienst zu Exaudi muss nicht aufwendig sein. Schon ein ruhiger Beginn, ein Psalm, eine kurze Zeit der Stille und eine Fürbitte um den Heiligen Geist können die Spannung dieses Tages erfahrbar machen. Ich würde eher auf wenige klare Zeichen setzen als auf ein überladenes Programm.
- Ankommen: Eine stille Minute oder ein gesprochenes Gebet schafft Raum für die Erfahrung des Wartens.
- Hören: Ein Psalm und ein biblischer Abschnitt können langsam gelesen werden, eventuell mit einer kurzen Wiederholung einzelner Sätze.
- Deuten: Die Predigt verbindet den Abschied Jesu mit heutigen Erfahrungen von Unsicherheit, Geduld und Verantwortung.
- Bitten: In den Fürbitten werden persönliche, gesellschaftliche und ökumenische Anliegen zusammengeführt.
- Ausblick geben: Ein Lied oder ein Segenswort richtet die Gemeinde auf Pfingsten aus.
Auch zu Hause lässt sich der Tag bewusst gestalten. Eine mögliche Form dauert nur 15 bis 20 Minuten und besteht aus einem Psalmvers, einer stillen Zeit, einem eigenen Gebet und einem Lied. Wer mit Kindern feiert, kann die Wartezeit bis Pfingsten mit einem sichtbaren Zeichen erklären, etwa mit einer noch nicht angezündeten Kerze, die erst am Pfingstfest entzündet wird.
Eine Grenze sollte man dabei im Blick behalten. Exaudi ist kein Ersatz für Ostern und auch kein vorgezogenes Pfingsten. Der Sinn liegt gerade in der offenen Mitte. Wer diesen Sonntag nur als Lückenfüller zwischen zwei großen Festen behandelt, verliert seine wichtigste Botschaft aus dem Blick.
Was Exaudi für den Alltag sichtbar machen kann
Der sechste Sonntag nach Ostern erinnert daran, dass Übergänge zum Glaubensleben gehören. Nicht jede wichtige Entwicklung geschieht mit einem deutlichen Höhepunkt. Manches wächst leise, während Menschen warten, beten, zweifeln und trotzdem weitergehen.
Für mich ist Exaudi deshalb vor allem ein Sonntag der aufmerksamen Hoffnung. Er erlaubt, offene Fragen auszuhalten, ohne sie zu verdrängen, und nach Gottes Geist zu fragen, ohne fertige Antworten vorzutäuschen. Genau darin liegt seine zeitgemäße Kraft, weit über den Gottesdienst am 17. Mai 2026 hinaus.