Ein Priester wird nicht durch eine Bewerbung oder eine Wahl der Gemeinde Kardinal. Entscheidend sind die freie Ernennung durch den Papst, die kirchenrechtlichen Voraussetzungen und ein herausragender Dienst an der katholischen Weltkirche. Ich zeige, wie die Auswahl abläuft, welche Rolle die Bischofsweihe spielt, was im Konsistorium geschieht und warum nicht jeder Kardinal an einer Papstwahl teilnehmen darf.
Die Ernennung bleibt eine päpstliche Entscheidung mit klaren kirchenrechtlichen Leitplanken
- Der Papst entscheidet allein über die Ernennung neuer Kardinäle.
- Grundvoraussetzung ist mindestens die Priesterweihe sowie ein besonders guter Ruf in Lehre, Lebensführung, Frömmigkeit und kluger Amtsführung.
- Bischöfe werden bevorzugt, doch in Einzelfällen können auch Priester Kardinal werden.
- Ein Konsistorium macht die Ernennung öffentlich und verleiht die wichtigsten Insignien.
- Wahlberechtigt im Konklave sind grundsätzlich nur Kardinäle, die beim Eintritt der Sedisvakanz noch nicht 80 Jahre alt sind.

Wie wird man Kardinal?
Die kurze Antwort lautet: Der Papst ernennt einen Kardinal frei. Es gibt keine öffentliche Ausschreibung, keine Bewerbung und keine Abstimmung durch die deutsche Bischofskonferenz. Auch ein Bischof wird nicht automatisch Kardinal, selbst wenn er ein großes oder bedeutendes Bistum leitet.Kardinäle bilden das Kardinalskollegium. Sie unterstützen den Papst bei der Leitung der katholischen Kirche und wählen nach den geltenden Regeln den neuen Papst. Für mich ist wichtig, dabei ein verbreitetes Missverständnis zu korrigieren: Der Kardinalstitel ist keine Auszeichnung für eine besonders lange Dienstzeit, sondern ein Amt mit Verantwortung für die Weltkirche.
Die Ernennung kann einen Erzbischof einer Diözese betreffen, aber ebenso einen Kurienmitarbeiter, einen Ordenspriester, einen Theologen oder einen Bischof aus einer Region, die bisher im Kardinalskollegium kaum vertreten war. Gerade diese regionale Perspektive spielt in der päpstlichen Auswahl häufig eine wichtige Rolle.
Welche Voraussetzungen ein Kandidat erfüllen muss
Das katholische Kirchenrecht nennt klare Leitlinien. Ausgewählt werden Männer, die mindestens die Priesterweihe empfangen haben und sich durch Lehre, gute Lebensführung, Frömmigkeit und kluge Wahrnehmung ihrer Aufgaben auszeichnen. Eine bestimmte Mindestzahl an Amtsjahren oder ein festes Höchstalter für die Ernennung gibt es nicht.
| Voraussetzung | Praktische Bedeutung |
|---|---|
| Priesterweihe | Ein Kandidat muss grundsätzlich Priester der katholischen Kirche sein. |
| Bischofsweihe | Wer noch kein Bischof ist, soll normalerweise zum Bischof geweiht werden. Der Papst kann davon in einem Einzelfall dispensieren. |
| Theologische und geistliche Eignung | Gefragt sind fundierte Lehre, gelebter Glaube, persönliche Integrität und pastorale Klugheit. |
| Erfahrung in kirchlicher Verantwortung | Oft bringen Kandidaten Leitungserfahrung in einem Bistum, einem Orden, der Kurie oder einem wichtigen kirchlichen Dienst mit. |
| Vertrauen des Papstes | Am Ende zählt keine automatische Rangfolge, sondern die päpstliche Entscheidung. |
In der Praxis sind viele Kardinäle Diözesanbischöfe oder Erzbischöfe. Trotzdem halte ich es für falsch, den Weg als einfache Karriereleiter zu verstehen. Ein still wirkender Ordensmann oder ein Bischof aus einer kleinen, bedrängten Ortskirche kann für den Papst wichtiger sein als ein sehr bekannter Kirchenfürst.
Wie die Auswahl und Ernennung ablaufen
Der Auswahlprozess ist nicht vollständig öffentlich. Der Papst kann sich über Bischöfe, Nuntien, Mitarbeiter der römischen Kurie und andere kirchliche Verantwortliche ein Bild von geeigneten Personen machen. Empfehlungen sind möglich, aber kein Vorschlag bindet den Papst.
- Beobachtung und Beratung: Geeignete Geistliche werden aufgrund ihres Dienstes, ihrer theologischen Arbeit und ihrer kirchlichen Verantwortung wahrgenommen.
- Päpstliche Entscheidung: Der Papst bestimmt selbst, wen er in das Kardinalskollegium aufnehmen möchte.
- Öffentliche Bekanntgabe: Die Namen werden meist vor einem geplanten Konsistorium verkündet.
- Konsistorium: In einer feierlichen Versammlung erhalten die neuen Kardinäle ihre Ernennungsurkunde und gewöhnlich das rote Birett sowie den Kardinalsring.
Der Ausdruck „in pectore“ bedeutet, dass der Papst einen Kandidaten zum Kardinal bestimmt, dessen Namen aber zunächst nicht veröffentlicht. Das kann aus politischen oder sicherheitsbezogenen Gründen geschehen. Rechte und Pflichten des Kardinalsamtes treten in diesem Fall grundsätzlich erst mit der öffentlichen Bekanntgabe ein.
Zum Ritual gehört meist auch die Zuweisung einer Titelkirche in Rom. Sie macht den neuen Kardinal symbolisch zu einem Mitglied des römischen Klerus. Daraus entsteht jedoch keine Leitungsmacht über diese Kirche; es handelt sich vor allem um eine geistliche und traditionelle Verbindung.
Welche Rolle Bischofsamt, Alter und Konklave spielen
Ein Kardinal ist nicht automatisch Diözesanbischof, und ein Bischof ist nicht automatisch Kardinal. Beide Ämter sind kirchenrechtlich verschieden. Die Bischofsweihe gehört zum sakramentalen Amt, während das Kardinalat ein besonderes kirchliches Amt zur Unterstützung und Beratung des Papstes ist.
Die Altersgrenze von 80 Jahren betrifft nicht die Gültigkeit der Ernennung. Auch ein älterer Geistlicher kann Kardinal werden. Er darf dann allerdings grundsätzlich nicht mehr an der eigentlichen Papstwahl im Konklave teilnehmen, wenn er beim Eintritt der Sedisvakanz bereits 80 Jahre vollendet hat.
Ältere Kardinäle bleiben wichtige Mitglieder der Kirche und können an Beratungen vor einem Konklave teilnehmen. Sie haben aber kein Wahlrecht in der abgeschotteten Wahlversammlung. Diese Unterscheidung wird in Berichten über Papstwahlen oft verkürzt dargestellt und führt deshalb zu Verwirrung.
Die Zahl der Kardinäle ist außerdem keine feste nationale Quote. Der Papst kann deutsche, afrikanische, asiatische oder lateinamerikanische Ortskirchen unterschiedlich stark berücksichtigen. Damit setzt er auch ein Zeichen dafür, welche Regionen und pastoralen Herausforderungen er für die gesamte Kirche besonders wichtig findet.
Welche Irrtümer über den Weg zum Kardinal häufig sind
Nur Erzbischöfe können Kardinal werden
Das stimmt nicht. Viele Kardinäle sind zwar Erzbischöfe, weil sie große Erzdiözesen oder wichtige Aufgaben in Rom leiten. Das Kirchenrecht verlangt aber nicht, dass ein Kandidat bereits Erzbischof ist. In besonderen Fällen kann sogar ein Priester ohne Bischofsamt Kardinal werden.
Die deutsche Bischofskonferenz kann einen Kardinal ernennen
Auch das ist falsch. Die Bischofskonferenz kann eine Person unterstützen oder öffentlich würdigen, besitzt aber kein Ernennungsrecht. Die Entscheidung liegt beim Papst. Für einen deutschen Geistlichen gelten dabei keine eigenen deutschen Regeln, sondern das universale Kirchenrecht.
Man kann sich beim Vatikan bewerben
Ein formelles Bewerbungsverfahren gibt es nicht. Wer Kardinal werden möchte, kann keinen Antrag mit Lebenslauf und Zeugnissen einreichen. Theologische Bildung und gute Verwaltungserfahrung helfen zwar, entscheidend sind aber der konkrete kirchliche Dienst, die persönliche Glaubwürdigkeit und das Vertrauen des Papstes.
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Das rote Birett bedeutet automatisch politische Macht
Die rote Kleidung ist ein sichtbares Zeichen des Kardinalamtes, aber kein Beweis für eine bestimmte Stellung in der vatikanischen Verwaltung. Ein Kardinal kann in Rom arbeiten, ein Bistum leiten oder aus einer kleinen Ortskirche stammen. Ich finde gerade diese Vielfalt aufschlussreich, weil sie zeigt, dass das Amt nicht auf Prestige reduziert werden sollte.
Was von der roten Farbe wirklich bleibt
Wer Kardinal wird, erhält kein Amt durch eigenen Entschluss, sondern durch eine päpstliche Berufung. Der Weg führt normalerweise über die Priester- und Bischofsweihe, eine lange Zeit verantwortungsvollen Dienstes und die Anerkennung durch den Papst, doch keiner dieser Schritte garantiert die Ernennung.
Für die katholische Kirche zählt am Ende weniger der rote Pileolus als die Aufgabe dahinter. Ein Kardinal soll beraten, Verantwortung tragen, die Einheit der Kirche stärken und im Konklave eine geistlich und sachlich verantwortete Entscheidung treffen. Genau deshalb ist das Kardinalat eher ein Dienstauftrag als ein persönlicher Aufstieg.